1. Sexuelle Belästigung in arabischen Ländern (Taharrush)                                                            Sexuelle Belästigung von Frauen ist in den Gesellschaften der arabischen Länder seit den siebziger Jahren bekannt. In Ägypten existierte schon seit 1961 ein Gesetz, das den Tatbestand - allerdings ohne klare Definition - thematisierte und  mit (nur maximal 6 Monaten Gefängnis) bestrafte. Das Wort „Taharrush: sexuelle Belästigung“/ gamaei: durch mehrere" wurde in Ägypten zum ersten Mal 2014 definiert; dabei wird unterschieden zwischen Mo’akasat: Kompliment gegenüber einer Frau und Taharrusch: verbale oder physische, einzeln oder in Gemeinschaft ausgeführte sexuelle Belästigung einer Frau. Die Mo’akasat ist seit langem bekannt; neu ist dagegen die Debatte zu Taharrusch. Die diesbezüglichen Strafvorschriften wurden verschärft. Das Phänomen „taharrush“ hat seinen Ursprung im wahhabitischen Gedanken mit Ursprung Saudi-Arabien. Viele ägyptische und auch Männer anderer arabischer Nationen zogen in den 70er Jahren nach Saudi Arabien, um dort zu arbeiten.1 Viele nahmen das Gedankengut Saudi Arabiens mit in ihre Heimatländer, auch das Frauenbild des Islam. Da in Saudi Arabien salafistische und wahhabitische Richtungen des Islam praktiziert werden, sind deren Auffassungen zu sexueller Belästigung von besonderer Bedeutung bei der vorliegenden Betrachtung. Die erste Auffassung ist, dass wenn die Frau ihren Körper nicht genug bedeckt, der Mann sie anfassen darf, weil sie ihm diese Erlaubnis mit ihren unbedeckten Körper oder sogar nur unbedeckten Haaren gibt. Der Mann hat keine Schuld, da Gott der Frau befiehlt sich zu bedecken. Gott weiß, dass „sich Männer nur schwer beherrschen“ können (siehe auch Vorgehen der Religionspolizei in Saudi Arabien). Die zweite Auffassung ist eher politisch: „Taharrush“ ist akzeptabel, damit sich Frauen unsicher in der Öffentlichkeit (auf der Straße) fühlen und entweder zu Hause bleiben oder Verschleierung und die Scharia- Polizei akzeptieren. Säkulare Regierungen können diese Sicherheit nicht bieten. So wird die Gesellschaft weiter islamisiert und Gottes Wort verwirklicht. Bis heute treten in den sozialen Medien und im Fernsehen einiger arabischer Länder salafistisch ausgerichtete Scheichs auf, die diese Meinungen offen vertreten. 2 Das Phänomen „taharrush“ wird auch von internationalen Organisationen beschrieben. Human Rights Watch führt in einem Bericht von 2013 über Gewalt gegen Frauen in 22 arabischen Ländern dazu aus. In Ägypten fand demnach systematische sexuelle Belästigung von Frauen statt, der HRW Bericht 2015 kommt zu ähnlichen Ergebnissen. 99.3 % der befragten Frauen in Ägypten gaben an, sexuelle Belästigung mindestens 1-mal in ihrem Leben erfahren zu haben. 3 2009, also zwei Jahre vor dem Beginn des „Arabischen Frühlings“, fand in Kairo eine Konferenz unter dem Titel „Sexuelle Belästigung als soziale Gewalt und ihre Wirkung auf Frauen“ mit Teilnehmern/innen aus 14 Ländern (Yemen, Emirate, Sudan, Saudia Arabien, Bahrein, Syrien, Jordanien, Libyen, Oman, Libanon, Qatar, Marokko, Irak und Ägypten) statt. Nach einem Bericht über diese Konferenz gibt es in einigen Ländern massive Probleme für Frauen Anzeige zu erstatten, weil Frauen eigene Anzeigen wegen Untreue riskieren. Zum Berichtszeitpunkt 2009 war sexuelle Belästigung nur in 6 von 23 arabischen Ländern strafbar.4 Während und nach der Revolution im Januar 2011 in Ägypten wurde das Phänomen weltweit bekannt. Die ägyptische Regierung musste zugeben, dass ein Problem existiert: Die US Reporterin Lara Logan wurde im Feb 2011 auf dem Tahrir Platz vergewaltigt. 5 Eine holländische Journalistin wurde im Juni 2013 von mehreren Männer auf dem Tahrir Platz vergewaltigt. Fast 100 sexuelle Übergriffe am Tahrir Platz am 3.6.2013. 6 Dazu ist anzumerken, dass es 2012/2013 Hinweise auf staatlich gelenkte Belästigungen auf dem Tahrir Platz gegeben haben soll. Eindeutige Beweise dafür liegen jedoch nicht vor. Es erscheint vielmehr bedeutsamer, dass sexuelle Belästigung von Frauen vor, während und nach der Revolutionszeit in der Art zunahm, dass der damalige ägyptische Ministerpräsident sich 2014 veranlasst sah, die sexuelle Belästigung von Frauen öffentlich zu einem Problem der nationalen Sicherheit zu erklären. In der Folge wurde das entsprechende Gesetz geschaffen, das die sexuelle Belästigung von Frauen erstmals definiert und bestraft. Sowohl das Britische als auch das amerikanische Außenministerium gehen in ihren Reisehinweisen zu Ägypten und Marokko auf die Gefahr sexueller Belästigung von Frauen ein (7*8*). Sexuelle Belästigung von Frauen stellt in vielen arabischen Ländern nach wie vor ein großes soziales Problem dar. 2. Die Bekämpfung sexueller Belästigung von Frauen in ausgewählten arabischen Ländern Agypten Die Bekämpfung sexueller Gewalt gegen Frauen wurde auf 4 Bereiche ausgedehnt. a) Verschärfung von Gesetzen Aufgrund zunehmender Rufe nach staatlicher Intervention erließ Übergangspräsident Mansour im Juli 2014 erstmals seit 1961 verschärfte Gesetzesvorschriften gegen sexuellen Missbrauch von Frauen. Dabei wurde zunächst die Regelung zu "sexueller Beleidigung" mittels einer erhöhten Geldstrafe verändert. Die Vergewaltigung wurde nun unter Todesstrafe gestellt, sofern das Opfer unter 18 Jahre alt ist oder der Täter aus der Familie stammt oder mit dieser bekannt ist. Ist das Opfer über 18 Jahre alt und der Täter ein Fremder, beträgt die Höchststrafe 25 Jahre Gefängnis. Die sexuelle "Belästigung durch Berühren" von Frauen ist mittlerweile mit nicht weniger als 7 Jahren Freiheitsstrafe bewehrt. Die ägyptische Polizei hat zur Bekämpfung dieses Phänomens erstmals eine weibliche Einheit von Polizeibeamten aufgestellt, die auch präventiv bei Großveranstaltungen präsent sind. Es gibt darüber hinaus eine polizeiliche Hotline zur Aufnahme von Anzeigen von Opfern sexueller Belästigung (9). b) Gründung einer Abteilung „Gewalt gegen Frauen“ in der ägyptischen Polizei Die Schaffung einer speziellen Bekämpfungseinheit zielt darauf ab, zu überwachen (zu ermitteln) und abzuschrecken und fand im Juni 2014 statt. Dem Innenministerium nachgeordnete andere Polizeieinheiten sollen über die neue Einheit zudem spezielle Informationen -  Expertise wie mit solchen Fällen umzugehen ist - erhalten.10 c) Medien Fernsehen, Film, Zeitung, soziale Medien und das Radio wurden einbezogen in eine Kampagne. Das Problem „sexuelle Belästigung“ wurde erstmals offen mit Psychologen und religiösen Führern (Scheich der Al Azahar Universität) diskutiert. Zum ersten Mal wurde im ägyptische Kino ein Film über sexuelle Belästigung gezeigt. Der Film „678“ erzählt die wahre Geschichte von 3 Frauen aus verschiedenen sozialen Klassen und wie die sexuelle Belästigung ihr Leben geändert hat und was sie dagegen getan haben. 11 Die Leiterin des ägyptischen Frauenrates (National Council for Women - NCW) diskutiert nicht nur über die einzelne sexuelle Belästigung sondern auch über die gemeinsame Gama’i.12 Der Ex-Ministerpräsident Ägyptens beschreibt 2013 die Lage.13 d) NGOs  In Ägypten existieren ungefähr 11 NGO’s, die sich nur um die Bekämpfung sexueller Belästigung von Frauen kümmern. Hotlines helfen Frauen und geben Erziehungstipis für Mütter, damit sie (ihre Söhne) besser erziehen können.
Marokko Am 06.03.2013 stellte der marokkanische Sozialwissenschaftler Idris Weld  Al Kable einen Artikel über sexuelle Belästigung von Frauen in Marokko sowie eine entsprechende Definition vor. 15 Der beigefügte Bericht über Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit von Saffia Monquid  untersucht das Phänomen in Marokko. Die Studie beschreibt die Umstände sexueller Belästigung von Frauen bzw. die Motivation /das Verhalten der Täter, siehe insbesondere Seiten 7 und 8. 16 Am 03.04.2015 wurde in Marokko ein Gesetz gegen sexuelle Belästigung von Frauen in Kraft gesetzt. 17 + 18 CNN Berichtet auch über diese Phänomen in Marokko. 19  Tunesien In Tunesien gibt es seit 2004 das Gesetz „73“ gegen sexuelle Belästigung von Frauen.20 Der tunesische Sozialwissenschaftler Kais Al Ramadani erklärte in einem Artikel vom 25.9.2012,  wie sich das Phänomen in Tunesien entwickelt hat. 21 Arabische Länder Einige arabische Länder, so Saudi Arabien, geben aus den angegebenen Gründen bis jetzt nicht offiziell zu, dass ein „taharrush“-Problem existiert. Für arabische Kulturen sind die angegebenen Tatsachen peinlich und ehrverletzend. Eine Kultur des Negierens daher nicht ungewöhnlich. Statistiken oder andere Informationen sind daher nicht verfügbar, abgesehen von  einigen privaten Videos in Youtube und Diskussionen in Frauenblogs. 22 Die UN hat in ihren Human Development Report 2015 Statistiken zu der Entwicklung in einzelnen Ländern entsprechende Zahlen veröffentlicht. Diese sogenannten HDI (International Human Development Indicators) werden unter dem Rubrum: Human Security - „Violence against women ever experienced“ für Ägypten mit 33,7 % angegeben. Für Marokko 44,5 %,  für Tunesien und Saudi Arabien sind keine Angaben verfügbar.23 3. Ist sexuelle Belästigung (durch Migranten) in Deutschland angekommen? Was kann folgen, was kann getan werden? Die Antwort muss den bisher vorliegenden Erkenntnissen und Berichten zufolge „ja“ lauten. Das Phänomen ist seit Jahren in arabischen Länder bekannt und wird dort mittlerweile seitens des Staates mit vielerlei Mitteln bekämpft. Nicht nur Köln, sondern auch Hamburg und Bonn scheinen aktuell betroffen gewesen zu sein. Nachgenanntes Video des WDR mit einem Interview eines Zeugen der Vorgänge in Köln benennt explizit „taharrush gamaei“ und den modus operandi auf der Domplatte (enger Durchgang, Warten auf potentielle Opfer). 24                                                                          Es steht zu befürchten, dass das Phänomen nicht „auf die Schnelle“ gestoppt werden kann, sondern zunächst zu mehr Gewalt gegen Frauen führen wird. Zu bedenken ist, dass Frauen in den oben genannten arabischen Ländern nach wie vor (trotz harscher Strafen) nicht ohne Belästigungen (verbal oder körperlich) in der Öffentlichkeit gehen können. Bei Männern aller Altersgruppen besteht in vielen Fällen die Einstellung,  dass a) Frauen „weniger Rechte haben“ und b) dass Frauen, die abends oder nur allein aus dem Haus gehen, für jeden Mann „zu haben/verfügbar“ sind. Frauen die sich wehren, werden dann oft bedroht, vergewaltigt oder sogar getötet. In Deutschland muss realisiert werden, „ dass wir hier von etwas  Kulturellem sprechen“. Etwas das hier in Deutschland neu ist, in arabischen Ländern dagegen bereits seit 40 Jahren verbreitet ist. Mit der Schaffung neuer Gesetze und Strafandrohungen hat sich die Lage in einigen Ländern jedoch nach allgemeiner Ansicht etwas verbessert. Die strenge Auslegung von Gesetzen kann also helfen. „Taharrush“ ist ein soziales Phänomen, das sehr eng auch mit religiösem Glauben verbunden ist. Es muss daher unbedingt ein Dialog mit religiösen Instituten und seitens dieser Institute in Deutschland stattfinden. Sozialarbeiter und Strafverfolgungsbehörden müssen zu diesem Phänomen geschult werden. Auch zu anderen Einstellungen des Islam wie Rache, Umkehr von Religion, Beschneidung, Jungfräulichkeit etc. Flüchtlinge müssen kulturell so integriert werden (Sprache reicht nicht), dass die Werte und Gesetze ihres Gastlandes verstanden und umgesetzt werden. Dazu gehören insbesondere Fragen der Gleichbehandlung von Mann und Frau. --------------------------------------------------------- *Die Autorin: Hedi Blödorn, MA (American University Cairo), Institute für Islamwissenschaft FU Berlin (Master Studiengang), ist ägyptischer Herkunft und lebt seit 2012 in Deutschland. ------------------------------------------------------------------- Quellen/Links: Hinweis auf Stellungnahme des Bundeskriminalamts zum Phänomen Taharrush: in “Die Welt” (12. Januar 2016) http://www.welt.de/politik/deutschland/article150813517/Das- Phaenomen-taharrush-gamea-ist-in-Deutschland-angekommen.html 1) http://akhbarek.com/culture/2015/05/11 2) http://youtu.be/eAtWhjsPeJ8  3) https://www.hrw.org/world-report/2013/country-chapters/egypt; http://egypt.unfpa.org/Arabic/Staticpage/2/e8a708a1-b535-4f90- 8546-54ba2ecc5ee0/Sexual_Harassment.aspx 4) http://www.alitthad.com/paper.php?name=News&file=article&sid=6 7045 5)  http://www.bild.de/politik/ausland/lara-logan/mit-haenden- vergewaltigt-us-reporterin-lara-logan-kaempft-sich-zurueck-ins- leben-18189218.bild.html 6) http://www.deutschlandfunk.de/die-vergewaltigungen-am-tahrir- platz.724.de.html?dram:article_id=262358 7)  *in 2014, the British Embassy responded to 21 cases of rape and sexual assault against British nationals in Egypt. Some assaults were against children. Many occurred in what were considered to be safe places. British Nationals, have been killed, raped and sexually assaulted at demonstrations..” 8)* “Harassment of women, including foreigners, remains a serious problem. Incidents of harassment range from lewd comments and gestures to indecent exposures and inappropriate physical contact….”Crime in Morocco is a serious concern… harassment of women are the most frequently reported issues….. Women walking alone in certain areas of cities and rural areas are particularly vulnerable to assault by men. Women should also exercise caution when in public spaces….Responding to verbal harassment can escalate the situation..“) 10)  http://m.youm7.com/story/0000/0/0/-/1872260#.VpZ2U4qkrCT 11) https://ar.m.wikipedia.org/wiki/678_%28%d9%81%d9%8a%d9%84% d9%85%29 12) http://youtu.be/PbjYS-iOrRU 13) http://youtu.be/pN94n5H0xlE 14) http://harassmap.org/ar/take-action/get-help/legal-services- lawyers-and-psychological-support/ 15) http://www.m.ahewar.org/s.asp?aid=348564&r=0 16) http://ema.revues.org/3011 17 + 18 ) http://arabic.cnn.com/middleeast/2015/04/03/morocco- sexual-harassment  http://youtu.be/nAEqQ65w4gk 19) http://arabic.cnn.com/middleeast/2015/04/03/morocco-sexual- harassment 20) http://wrcati.cawtar.org/index.php?a=d&law=304 21)  http://www.turess.com/sfaxien/15886 22)  http://youtu.be/-QExyT3kdZ8; http://youtu.be/5jHM2AYtZaY 23) http://hdr.undp.org/en/countries 24)  http://youtu.be/8fD1at_fhuo
Deutschland und das Phänomen der sexuellen Belästigung durch arabischstämmige Migranten Hedi Blödorn*
Germany and the Phenomenon of Sexual Harassment by Arabic Migrants (Hedi Blödorn*) Summary 1. Sexual harassment in Arabic countries for decades; crucial influence of Wahabi Islam (main source: Saudi Arabia) 2. Policies against sexual harassment in some Arabic countries 3. Political challenges in Germany: Strict enforcement of given laws, dialogue with religious institutions